"Geistiges Eigentum schützt"

20. Juni 2014 --- K-Zeitung

 

Im März dieses Jahres hat die Future Carbon GmbH einen Großteil der Patente der vergangenen zehn Jahre zu Carbon Nanotubes und Graphenen von Bayer Material Science übernommen. Spannend ist, welche Pläne die Bayreuther mit den CNTs und Graphenen haben, welche Märkte sie bedienen wollen und wie es gelingen wird, die Potenziale dieser Werkstoffe weiterhin zu heben. Fragen dazu beantwortet Geschäftsführer Klaus Zeyn der K-ZEITUNG.

"Geistiges Eigentum schützt"

Im März dieses Jahres hat die Future Carbon GmbH einen Großteil der Patente der vergangenen zehn Jahre zu Carbon Nanotubes und Graphenen von Bayer Material Science übernommen. Spannend ist, welche Pläne die Bayreuther mit den CNTs und Graphenen haben, welche Märkte sie bedienen wollen und wie es gelingen wird, die Potenziale dieser Werkstoffe weiterhin zu heben. Fragen dazu beantwortet Geschäftsführer Klaus Zeyn der K-ZEITUNG.

K-ZEITUNG: Herr Zeyn, Ihr Unternehmen hat die Patente zu CNTs und Graphenen von Bayer Material Science erworben. Für welche Anwendungsgebiete und Materialien sind diese für Ihr Unternehmen von besonderem Interesse?

Klaus Zeyn: Future Carbon ist ein Spezialist in der Entwicklung und Vermarktung von sogenannten "Carbon-Super-composites“. CNTs, Graphene sowie andere Kohlenstoffnanomaterialien verwenden wir hier in Kombinationen als Basismaterialien. Diese Basismaterialien veredeln und funktionalisieren wir, um sie dann zu Vorprodukten weiterzuverarbeiten. Erst dadurch lassen sich die erstaunlichen Materialeigenschaften von Kohlenstoffnanomaterialien anwendungsbezogen einstellen und somit industriell nutzen. Auf der Patentierung dieser Prozesse liegt seit jeher ein großes Augenmerk unseres Unternehmens. Durch Übernahme der Bayer CNT-Patente konnten wir unser geistiges Eigentum – die Intellectual Property – portfoliostrategisch erweitern.

K-ZEITUNG: Weshalb ist es für Future Carbon attraktiv, selber die Patente an der CNT-Herstellung von BMS zu halten und die Nanotubes oder Graphene nicht einfach einzukaufen?

Zeyn: Das hinzugewonnene geistige Eigentum hat nicht zwingend alleine einen produktionsrelevanten Charakter. Zum einen konnten wir neues Know-how für unsere Produktentwicklung gewinnen. Zudem haben Patente in der Industrie eine immer stärkere Bedeutung zum Schutz sowohl des eigenen Unternehmens als auch der Anwender der Technologie – vor Angriffen von Dritten. Mit den neuen Patenten konnten wir unser generell starkes Patentportfolio signifikant ausbauen und damit unsere Geschäftsposition und vor allem auch die unserer Kunden weiter absichern. Da der Unternehmenswert von Technologieunternehmen in direktem Zusammenhang mit der Stärke und Breite des Patentportfolios steht, konnten wir diesen durch den Kauf der Bayer Patente erheblich steigern.

K-ZEITUNG : Welche neuen Möglichkeiten und Geschäftsfelder sehen Sie für Ihr Unternehmen durch den Erwerb der Patente?

Zeyn: Auch mit den zusätzlichen Patenten wird unser Entwicklungsfokus weiter auf die außergewöhnlichen mechanischen, elektrischen oder thermischen Materialeigenschaften von Kohlenstoff abzielen. Unternehmerisch sind wir durch den Erwerb des neuen Wissens in der Lage, neue Anwendungsfelder innerhalb dieser Bereiche schneller zu erschließen.
Mit unseren Vorprodukten bedienen wir primär die Bereiche Automotive, Luft- und Raumfahrttechnik, Industrie sowie Bauwesen.

 

 
 

Elektronenmikroskopaufnahme eines Kohlefaserverbundwerkstoffs mit homogen dispergierten CNTs im Trägerhars Future Carbon

K-ZEITUNG: Werden Sie die CNTs von BMS nun im eigenen Haus produzieren und auch vermarkten?

Zeyn: Unser Produktfokus liegt in der Veredelung von Basismaterialien wie CNTs zu einfach anwendbaren Vorprodukten für die Industrie. Um gewisse Qualitäten zu erzeugen, stellen wir hierfür CNTs auch selber her. Die Vermarktung von CNTs als Basismaterial gehört nicht zu unserem generellen Geschäftsmodell.

 

K-ZEITUNG: Sie haben bereits in der Inno CNT aktiv mitgearbeitet und die Möglichkeiten der CNTs erprobt. Für welche Anwendungen hat sich aus dieser Zusammenarbeit ein besonders hohes Marktpotenzial für die CNTs ergeben?

Zeyn: CNTs haben außergewöhnliche Materialeigenschaften. So haben sie eine elektrische Strombelastbarkeit, die um das 1.000-Fache höher ist als Kupfer. Auch ihre mechanischen Eigenschaften sind denen von Stahl in allen Belangen um ein Vielfaches überlegen. Hierauf zielen wir bei der sehr anwendungsbezogenen Entwicklung unsere Produkte ab. Die elektrische Leitfähigkeit erlaubt es uns beispielsweise, Klebstoffe zu additivieren. Das Resultat ist eine neue Generation von Klebstoffen. Sie härten über Mikrowellen sehr materialschonend aus. Gleichzeitig ist die Aushärtezeit – und damit auch die Durchlaufzeit – im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren um Faktoren geringer. Im Bereich der Materialverstärkung haben wir mittels unserer funktionalisierten CNT-Dispersionen außergewöhnliche Ergebnisse erreicht. Hierbei erhöhen wir durch die Zugabe unseres Produkts in das Trägersystem die Eigenschaften von Faserverbundwerkstoffen wie Glas- oder Kohlefasern in allen Bereichen signifikant. Mit EADS Astrium haben wir Lebenszeitverbesserungen des veredelten Verbundwerkstoffs von bis 300 Prozent erzielt! Diese neuen Hochleistungswerkstoffe erlauben verschiedensten Industrien, Endprodukte zu realisieren, die leichter, aber zugleich stärker und widerstandsfähiger sind.

 

K-ZEITUNG: Konnten Sie bereits Produkte auf dem Markt etablieren, bei denen die CNTs oder Graphene eine besondere Rolle spielen?

Zeyn: CNT- oder graphenbasierte Lösungen befinden sich bei uns aktuell in der Markteintrittsphase. Verschiedene Kunden, mit denen wir über die letzten Jahre erfolgreich gemeinsame Lösungen für ihre Anwendungen erarbeitet haben, werden diese zeitnah in den Markt einführen. Initial werden wir hier Lösungen am Markt sehen, die aus dem Materialbereich der elektrischen Leitfähigkeit kommen. Hierbei handelt es sich unter anderem um Batterietechnologien oder intelligente Klebstoffe. Endprodukte aus dem Bereich Materialverstärkung werden nachfolgen. Aktuell konnten wir am Markt bereits unsere elektrischen Heizlösungen sowie Strahlungsabschirmungsfarben platzieren. Hier freuen wir uns im Verlauf des Jahres auf multiple weitere Produkteinführungen wie Sitzheizungen von Ledermöbeln, eine neue Generation von Strahlungsheizern und mehr.

 

K-ZEITUNG: Die besondere Herausforderung der CNTs liegt in der gleichmäßigen Dispergierung, ohne dabei Faserlängen zu reduzieren, damit die interessanten Eigenschaften nicht verloren gehen. Konnte die Inno CNT diese Herausforderungen bereits befriedigend lösen oder werden Sie an dieser Thematik weiterforschen?

Zeyn: Im Rahmen der Inno CNT konnten wir den Grundstein vieler unserer heutigen Produkte legen. CNTs haben aber noch lange nicht ihr Potenzial ausgeschöpft und die Realisierung von Graphenen als neuer Werkstoff steht heute dort, wo CNTs vor zehn Jahren waren. Die anwendungsbezogene Erforschung dieser beiden Werkstoffe zur industriellen Nutzbarkeit ist ein Grundstein unserer Tätigkeit.

 

K-ZEITUNG: Zum Thema Forschung: Wird es weiterhin Kooperationen über Unternehmensgrenzen hinweg zum Thema CNTs und deren Möglichkeiten in der Kunststoff- und Verbundwerkstoffindustrie geben?

Zeyn: Moderne Faserverbundwerkstoffe befinden sich erst am Anfang einer breiten industriellen Nutzung. Getrieben von dem Wunsch nach höherer Energieeffizienz stehen wir vor der Revolution einer neuen Materialklasse, die sich durch nahezu alle Industriebereiche ziehen wird.
In der Automotiveindustrie sowie der Luft- und Raumfahrttechnik lassen sich signifikante Energieeinsparungen durch den Einsatz von Faserverbundwerkstoffen erzielen. E-Cars, Hybride, Luftfahrzeuge werden leichter, erzielen somit höhere Reichweiten oder verbrauchen weniger Kraftstoff. Hier kommt dann auch noch der Bereich effizienter Energiespeicherung und Abgabe durch Lithium-Ionen-Batterien oder Brennstoffzellen zum Tragen. CNTs und Graphene sind wahrscheinlich das Material überhaupt, um die technischen Anforderungen dieser Industrien zu realisieren. Die Faserverbundindustrie hat schon vor Jahren das Potenzial von CNTs zur Materialverbesserung erkannt. Allein die Umsetzung auf Materialebene ist bislang daran gescheitert, dass die Hersteller die CNTs nicht anwendungsbezogen aufbereiten konnten. Hier kommt die Future Carbon ins Spiel. Durch unsere Kohlenstoffmaterialexpertise ist es uns gelungen, CNTs so aufzubereiten, dass diese mittels enger technischer Zusammenarbeit mit unseren Kunden jetzt tatsächlich zuverlässig eingesetzt werden können. Allein diese technologischen Partnerschaften erlauben es, gemeinsam Lösungen für Problemstellungen zu erarbeiten, die sich auch industriell abbilden lassen. Die Verbesserungen, die wir hier erzielen sind signifikant.

grz